Texten
online
"Willkommen auf meiner Homepage"
- ich kann's nicht mehr sehen. Gibt es nicht irgendein schlaues
Verfahren, das sämtliche Websites mit solch unsäglichen
Formulierungen zwangsweise übersetzt oder - in besonders schweren
Fällen - einfach löscht?
Es ist ja leider nicht nur Otto Normal, Familie Meier
oder die Metzgerei Bockensack, die sich mit nichtssagenden
Formulierungen um die Gunst des Besuchers bemühen. Auch Fernseh-Redaktionen,
Behörden und manche hochgestylten Firmen-Websites versprühen
so den Charme der fünfziger Jahre. Meine Assoziation: Onkel
Otto in Unterhemd und Hosenträgern, Bierflasche in der Hand,
zuvorkommend lächelnd, jovial.
Horror! Bloß weg hier - klick!
Be my friend!
Gemein? Ja sicher. Auch ungerecht. Denn sicher gibt es auch im
Web den einen oder anderen Zeitgenossen, der sich von einer solchen
Begrüßung angesprochen fühlt. Ich aber gehöre
nicht zu dieser Zielgruppe und ich vermute, dass ich dieses Schicksal
mit den weitaus meisten Nutzern teile.
Zugegeben: ein Extrembeispiel, wenn auch kein seltenes. Es macht
deutlich, wie wenig manche Texter sich darüber im Klaren sind,
was sie mit ihren Produkten beim Empfänger bewirken. In der
Art der Sprache entscheidet sich eine mögliche Verwandtschaft
zwischen Sender und Empfänger. Wer die gleiche Sprache spricht,
gehört zusammen, ist dabei, ist ein Freund.
So werden aus Nutzern vielleicht Freunde, im nächsten Schritt
vielleicht Kunden. Vielleicht! - denn wer ihre Sprache nicht spricht,
ist draußen: klick!
Keep it simple !
Doch es geht um mehr. Texte im Web haben nicht nur mit der richtigen
Ansprache zu tun. Schon im Vorfeld scheitern viele Angebote an scheinbar
harmlosen Aufgaben: fehlerhafte Rechtschreibung oder lange, verschachtelte
Sätze sind solche Killerkriterien.
Das Lesen am Bildschirm fordert vom Empfänger viel Aufmerksamkeit
- er braucht etwa 25% mehr Zeit als auf Papier. Also sollte ein
Text im Web in der Regel alles vermeiden, was den Leser vom Kern
des Inhalts ablenkt, was ihn irritiert.
Der Leser soll genau das erhalten, was er braucht, um die Message
lesen und auch verstehen zu können. Nicht weniger, aber auch
nicht mehr.
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