Thesen
zur Veränderungen der Medienlandschaft
– Stand April 2009
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1. Die maßgebliche Triebkraft der gegenwärtigen
Medienentwicklung stellt weiterhin die Digitalisierung bislang analoger
Prozesse dar. Diese technische Innovation veränderte und verändert
weiterhin Medienprodukte, Wertschöpfungsketten, Unternehmensstrukturen,
Geschäftsmodelle und Nutzerroutinen grundlegend.
2. Das Internet verändert seit ca. 15 Jahren die Medienlandschaft
in bislang unbekanntem Tempo und Ausmaß. Es bewirkt beim Medienkonsumenten
eine Neusortierung der bisherigen Mediennutzung, reduziert Reichweiten
und Bedeutung der klassischen Medien (Tageszeitung, Hörfunk,
Fernsehen) und zwingt sie zu einer Neubestimmung ihrer Aufgaben,
Möglichkeiten und Funktionen.
3. Das Internet hat die Menge der zur Verfügung stehenden
Informationen und Quellen in einem bislang unvorstellbaren Ausmaß
vervielfältigt und diese zugleich leicht zugänglich gemacht.
Dies erschließt einzelnen Individuen und der Gesellschaft
insgesamt Dimensionen der Information und Kommunikation, die noch
vor wenigen Jahren unvorstellbar waren.
4. Internet ist mehr als nur ein zusätzliches Medium –
es bietet jenseits der klassischen Medienfunktionen eine Vielzahl
von Funktionen der Alltagsgestaltung (Online-Banking, Shopping,
Post, ...)
5. Das Internet integriert alle anderen Medien (Tageszeitung, Zeitschriften,
Hörfunk, Fernsehen, Nachschlagewerke, ...) in einer zentralen
Plattform.
6. Das Internet ist deshalb so erfolgreich, weil es in der Lage
ist, bestimmte Bedürfnisse der Nutzer besser zu befriedigen
als klassische Medien:
- Informationen zu nahezu jedem Thema
- schnelle Reaktionszeit / Aktualisierung
- zeitsouveräne Nutzung
- Interaktion als Programmgestaltung
- vielfältige Formen der Kommunikation
- hoher Grad an Individualisierung
- Vernetzung der Nutzer
- Bereitstellung eigener Inhalte
7. Durch das Internet wird die klassische Arbeitsteilung zwischen
Sendern und Empfängern – zumindest teilweise –
aufgehoben. Es ist nicht mehr das Privileg einiger weniger finanzstarker
Verlagsunternehmen und Sender, Themen zu setzen und Angeboten mit
Massenwirkung zu publizieren. Dennoch: Weiterhin dominiert auch
im Internet das Sender-Empfänger-Schema als vorherrschendes
Muster der Mediennutzung.
8. Die Explosion der verfügbaren Inhalte und die Möglichkeit
zur Personalisierung der genutzten Angebote im Internet gehen einher
mit einer Zersplitterung der Nachfrage – die Marktanteile
der einzelnen Anbieter sinken. Die Angebotsseite wird vor allem
durch neue Player stark erweitert, die bislang nicht als Anbieter
von Medieninhalten aufgetreten sind (Telekommunikationsunternehmen,
Suchmaschinen, HighTech - Start-ups..).
9. Internet ist längst kein Randphänomen mehr, sondern
ein etabliertes Massenmedium, das konstitutiv mit der modernen Lebenswelt
verwoben ist: Diese Gesellschaft ohne Internet wäre eine völlig
andere.
10. Internet ist für nahezu alle jüngeren Bürger
(bis 30 J.) ein selbstverständlich genutztes Medium mit der
starken Tendenz zum Leitmedium. Ältere Bürger (ab 60 J.)
nutzen Telemedien deutlich zurückhaltender, weisen aber zugleich
die stärksten Wachstumsraten auf.
11. Fernsehen und Tageszeitung werden in den kommenden Jahren Leitmedien
für die Mehrzahl der Mediennutzer bleiben, diese Funktion aber
spätestens in 10 Jahren verloren haben.
12. Der stetig wachsende Medienkonsum der Konsumenten bewirkt eine
immer größer werdende Bedeutung der Medien auf das Denken
und Handeln der Menschen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen.
13. Das Mehr an Information bedeutet nicht automatisch eine größere
Vielfalt. Ökonomische Zwänge der Medienproduktion bewirken
eine Orientierung an Mainstream-Themen, fördern Gleichförmigkeit
und Austauschbarkeit von Programmangeboten.
14. Die Anforderungen an das Individuum zur Selektion von Informationen
und zur Meinungsbildung sind enorm gewachsen. Sowohl die technischen
Zugangswege als auch die schiere Masse der Angebote setzen eine
hohe Medienkompetenz voraus, die viele Nutzer überfordert.
Es besteht hoher Bedarf an Orientierung durch verlässliche
Angebote zur Reduktion der „informationellen Komplexität“,
der derzeit nicht befriedigt wird.
15. Klassische Medien wie Tageszeitung, Hörfunk und Fernsehen
und mit ihnen der Berufsstand der Journalisten verlieren zunehmend
ihre Funktion als "Gatekeeper" gesellschaftlicher Wirklichkeiten.
Diese Funktion wird zunehmend von Suchmaschinen und neuen Multiplikatoren
(Communities, Foren und Blogger zu Spezialthemen) übernommen.
16. Die Medienlandschaft der Zukunft orientiert sich an der Mediennutzung
der heutigen jungen Nutzer. Diese „Digital Natives“
optimieren ihren Medienkonsum individuell auf der Basis der heute
verfügbaren Medienangebote. In dieser Zukunft wird Print kaum
mehr stattfinden. Zentrale Plattform der Nutzung werden zunehmend
mobile Universalwerkzeuge sein (PDA, iPhone, ...)
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